Der Aufstieg des Geldes: Die Währung der Geschichte


 
gut strukturiert und lehrreich
• • • •   (bewertet mit 4 von 5 Punkten)

Dieses Buch bietet eine Geschichte des Geldes bzw. der Finanzen. Jedes Kapitel ist einem Aspekt der Finanzmärkte gewidmet.

Zunächst wird eine Definition des Geldes geboten: Es ist ein Zahlungs- oder besser gesagt Kreditmittel.

Banken: Nach einer Beschreibung des Bankwesens der Medici während der Renaissance und der Entwicklungen im 19. Jahrhundert wird gezeigt, dass die Geldpolitik der Staaten seitdem viel expansiver geworden ist. Besonders seit der Aufhebung des Goldstandards durch US-Präsident Nixon 1971 bzw.1973 erleben wir eine Geldentwertung (Inflation). Der Autor beschreibt in einem Spiel, wie die Mindestreservepolitik der Notenbanken funktioniert und diskutiert die Wirkung einer 100-prozentigen Reservehaltung.

Anleihen: Diese wurden erfunden, um Geld für Kriege zu beschaffen. Als Beispiele für den Anleihemarkt werden die Geschichte der Rothschilds, die Situation der Südstaaten im amerikanischen Bürgerkrieg und die Hyperinflation der Weimarer Republik angeführt. Ein modernes Beispiel für einen verschuldeten Staat ist Argentinien.

Blasen: Die erste große Blase der Geschichte war das ungedeckte Papiergeld, welches John Law im 18. Jahrhundert in Frankreich einführte und welches (mit) zum Staatsbankrott und damit zur Französischen Revolution führte. Da Blasen häufig den Aktienmarkt betreffen, wird die erste AG der Welt ausführlich dargestellt (die holländische Ostindienkompanie). Die Weltwirtschaftskrise war ebenfalls eine Aktienblase; die Deflation wurde durch die amerikanische Zentralbank ausgelöst. Es zeigt sich, dass eine Aktienblase eine Politik des leichten Geldes von Seiten der Notenbank erfordert. So war es auch mit dem Internet-Boom unter der Aufsicht von Greenspan.

Risiko: Hier werden besonders die Entwicklungen hin zur modernen Versicherung in Schottland (Witwenrente) beschrieben. Daraus entwickelte sich später der Sozialstaat, sei es aus politischen (Bismarck) oder militärischen (Japan) Gründen. Jedoch stößt der Sozialstaat finanziell an seine Grenzen (u. a. auf Grund der alternden Bevölkerung); deshalb wird auch die von Milton Friedman propagierte "neoliberale" Reformpolitik erläutert. Dessen Privatisierung der Rentenversicherung wurde in Chile erfolgreich umgesetzt.

Eigentum: Früher hatten nur Adlige Eigentum; das änderte sich erst im Laufe der Industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts. Die USA setzten auf eine Gesellschaft der Hausbesitzer. Deshalb wurden im Zuge der Weltwirtschaftskrise Institutionen geschaffen, von denen heute jeder spricht, nämlich die halbstaatlichen Immobilienfinanzierer "Fannie" und "Freddie". In Großbritannien wurden viele Menschen durch Margaret Thatcher Hauseigentümer, indem diese staatliche Wohnungen günstig verkaufte. Im Zuge der Deregulierung wurden in den USA die Anforderungen an die Sparkassen geändert, sodass diese sich in den 1980er Jahren verspekulierten. Jetzt haben wir die "Subprime"-Krise. Der Ökonom de Soto hat behauptet, dass der Schlüssel zum Wirtschaftswachstum im Privateigentum liegt; andernfalls hat man keine Sicherheiten für Kredite. Verlässliches Privateigentum fehlt jedoch in vielen Entwicklungsländern. Zusätzlich müssen Banken vorhanden sein, welche auch den Armen Kredite gewähren. Hier sind die so genannten Mikrokredite ideal, welche z. B. von der bekannten Grameen-Bank des Nobelpreisträgers Yunus vergeben werden.

Globalisierung: Bereits vor dem Ersten Weltkrieg war die Wirtschaft globalisiert, besonders innerhalb des Britischen Weltreichs. Dabei wurde die Globalisierung jedoch z. T. militärisch durchgesetzt, z. B. mittels des Opiumkrieges in China. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Globalisierung vom Internationalen Währungsfonds und der Weltbank begleitet. Im Zuge der Asienkrise 1997 / 1998 werden die Grundsätze des "Washington Consensus" (Anpassungspolitik des Währungsfonds für Schuldnernationen) und die Kritik bekannter Wirtschaftswissenschaftler wie Stiglitz und Krugman diskutiert. Im Laufe der Zeit hat man neue Möglichkeiten erfunden, um auf dem Finanzmarkt Geld zu verdienen, u. a. gibt es Hedgefonds und Spekulanten wie Soros. Wie man sieht, führte eine Abwertung des Dollars 1973 wie 2003ff zu steigenden Rohstoffpreisen. In diesem Kapitel werden auch die finanziellen Verwertungen zwischen China und Amerika behandelt (so hortet die chinesische Zentralbank amerikanische Staatsschulden im Wert von ca. einer Billion Dollar).

Nachwort: Die Finanzgeschichte enthält drei Komponenten: Unsicherheit, Psychologie und Evolution. Der volkswirtschaftliche Typus des "homo oeconomicus" entspricht nicht dem realen Menschen. Die staatlichen Rettungsmaßnahmen von US-Präsident Obama können zu einer staatlichen Kontrolle der Wirtschaft führen. Die Regulierung der Finanzmärkte ist oft kontraproduktiv; vor allem die Bilanz- und Eigenkapitalvorschriften von "Basel I" und "Basel II" sind zu lasch.

Mir hat das Buch gut gefallen. Der Text wird durch viele Abbildungen und Fotos aufgelockert. Darüber hinaus werden häufig Konzepte erklärt, z. B. wie man selbst am Finanzmarkt spekulieren könnte oder wie eine angeblich unfehlbare mathematische Formel für Spekulationsgewinne lautete. Wer statt einer themenbezogenen eine detaillierte chronologische Geschichte des Geldes sucht, dem kann ich Davies: "A History of Money" empfehlen. (Hinweis: Ich habe die britischen Taschenbuchausgabe "The Ascent of Money" vom Frühjahr 2009 gelesen, welche ausführlich die aktuelle Bankenkrise diskutiert.)
Eine Rezension von Frank Reibold > Rinteln
vom 29. August 2009
Kundenrezensionen:
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