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| Die Macht der Familie: Wirtschaftsdynastien in der Weltgeschichte
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Faszinierend, wenn man kein Insider ist
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David Landes gilt in Amerika als angesehener Wirtschaftshistoriker und lehrte bis zu seinem Ruhestand an der Harvard University. Aber so ganz wohl fühlte er sich offenbar nicht im neuen Lebensabschnitt. Resultat dieser Unruhe: mit über Achtzig veröffentlicht er dieses Buch, mit dem er seinen Lesern Einblick in weltbekannte Wirtschaftsdynastien geben will. In den Streit, wie wissenschaftlich er dabei vorging, mische ich mich nicht ein. Aber als Habilitationsschrift ginge dieses Alterswerk sicher nicht durch. Zu dieser Einschätzung gelangte ich, als ich die Beschreibung der Agnellis las. Nicht dass ich die Fiat-Familie persönlich kenne, aber ich habe während meiner Italienjahre zumindest Menschen aus dem Umfeld kennen gelernt, die Presse verfolgt und Reaktionen der Bevölkerung auf Agnellis merkwürdige Machtdemonstrationen wahrgenommen. Und ich habe spannendere, besser recherchierte und auf gute Art kritischere Beschreibungen der Fiat-Dynastie gelesen als die von David Landes.
Die Barings. Rothschild, Morgans, Rockefellers, Guggenheims, Schlumbergers, Wendels, Toyodas, Renaults, Peugeots, Citroens und Fords sind mir noch ferner als der Mond. Obwohl sie irgendeiner Form alle in mein Leben getreten sind. Aufgezwungen durch Medien und Produkte. Es ist daher mehr als nur Voyeurismus, wenn mich die Berichterstattungen von David Landes interessieren. Aber ich hoffte keine Sekunde, die Lektüre gebe mir Aufschluss darüber, was ein Unternehmen erfolgreich macht. Vom Wunsch nach Rezepten nahm ich schon lange Abschied. Genauer gesagt, seit ich mich mit so komplexen Systemen wie dem Gehirn befasse. Soziale Gebilde kombiniert mit wirtschaftlichen Systemen ergibt so viele Variable, dass sich keine nachvollziehbaren Ursache-Wirkungs-Formeln herauslesen lassen. Auf einfache Erklärungen zu verzichten, fällt David Landes bestimmt leichter, seit er nicht mehr in Harvard lehrt. Und obwohl in Amerika nicht die gleichen Regeln für akademische Publikationen gelten wie in Deutschland, genießt David Landes die neue Freiheit, essayistischer schreiben zu dürfen, als er dies früher konnte. Ihm deshalb gleich den wissenschaftlichen Zugang zum Thema abzusprechen, halte ich für kleinlich.
Mein Fazit: Als Quelle für eine wissenschaftliche Diplomarbeit fallen die Familiengeschichten von David Landes wohl durch. Ganz zum Gewinn der Leser, die einfach mehr über diese Dynastien, ihre Zeit und ihre Geschichten erfahren möchten. Vielleicht ist es das Alter des Autors, das ihn auch dann noch besänftigende Töne anklingen lässt, wenn Paukenschläge die Situation besser wiedergeben würden. Aber der Leser darf ja selber noch mitdenken, was es an solchen Dynastien zu kritisieren gibt.
Eine Rezension von Fuchs Werner Dr > Zug Schweiz
vom 8. September 2008 | | |
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