Seichte Kost ohne Kernaussagen. Enttäuschend.
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Finanzdynastien: Die Macht des Geldes (Gebundene Ausgabe) Angesichts der aktuellen Banken- und Finanzkrise ist die Idee zu einem historischen Rückblick auf die Macht des Geldes verlockend. Denn wer die Dinge mit etwas Abstand betrachtet, gewinnt oft Einsichten, die sich denen verschließen, die zu sehr am Puls der Zeit hängen. Eine erste Erkenntnis ergibt sich beim Blick auf die Liste der portraitierten Finanzdynastien: sie sind nicht von Dauer. Fast alle Häuser haben bereits das Zeitliche gesegnet.

Schon während der ersten Kapitel stellt sich dann allerdings Enttäuschung ein, die mit fortschreitender Lektüre eher noch zunimmt. Wie die Bankhäuser Widrigkeiten wie Hyperinflation, Deflation oder Enteignung konkret meisterten, bleibt im Verborgenen. Das Buch atmet einen Geist, der an der Wirklichkeit vorbeischreibt. Es gibt keine zwingenden Entscheidungsketten, keine wiederkehrenden Motive, warum etwas so geschah; die Einbettung in den historischen Zusammenhang wird leidenschaftslos vorgetragen und vermag daher nicht, den Leser mitzureißen oder zu überzeugen.

Eine Ausnahme bilden mit Einschränkung Gerhard Braunbergers Kapitel über die Fugger und die Welser, die wenigstens eine angemessene Portion geschichtlicher und politischer Dimension bieten. Die viele Jahrhunderte währende Dominanz der venezianischen Adelsfamilien wird nicht behandelt, obwohl hier die wohl stabilsten Finanzdynastien des Abendlandes zu finden sind.

Allgemein stellt sich der Verdacht ein, hier wird der Versuch unternommen, Bankenkrisen, Finanzierungsklemmen und staatliche Rettungsaktionen für Banken als natürliche und unvermeidliche Entwicklungen zu betrachten, die regelmäßig auftreten und daher mit Gleichmut zu ertragen seien.

Historisch gäbe es viele Motive, die als Steigbügel für eine kohärentere Einbindung in historische Zusammenhänge hätten dienen können: Kapitaldeckung von Banken, Goldstandard, Betrügereien mit Münzen, Papiergeld und Zettelbanken, das Aufkommen der Wechsel, päpstliches Zinsverbot, doppelte Buchführung, Zollpolitik, Heiratspolitik, die gesellschaftliche Stellung von Geldgeschäften und die historische Rolle der Juden, das Aufkommen von Aktiengesellschaften zur Risikostreuung, die Abgrenzung von Geschäfts- und Privatvermögen, der Einfluß von lateinamerikanischem Gold und Silber auf das Weltfinanzwesen, Staatsverschuldung und Staatsbankrott, das Aufkommen von Zentralbanken: keine davon wird vertiefend thematisiert.

Einige kritische Erfolgsfaktoren werden erwähnt: Netzwerke, Diskretion, Organisationsstrukturen. Der offensichtlichste, nämlich Kinderreichtum als notwendige Voraussetzung kommt wenigstens im Fall Rothschild zur Sprache.

Wenn es denn eine Kunst gab, Vermögen in Macht zu verwandeln: in diesen Miniaturen gelingt es nicht, den Ursachen oder Methoden näher zu kommen oder auf den Grund zu gehen. Es bleibt eine buntgewürfelte Sammlung von geschichtlichen Abrissen, bei denen sich kein erkennbarer Zusammenhang zeigen will. Die durchweg samtpfötige Darstellung ist in krassem Gegensatz zu unserer eigenen Erfahrung, daß das Geldverdienen mit Geld ein schmutziges und hartes Geschäft ist, das - anders als hier suggeriert - ganz ohne moralische Skrupel am ehesten zum Erfolg führt.

Wenn der Beobachter der heutigen Finanzwelt eine Erkenntnis gewonnen hat, dann ist sie sicher dem Credo der noch existierenden Finanzdynastien diametral entgegengesetzt: Guter Ruf ist eben nicht mehr '"erblich"', Geschäfte "'auf Handschlag"' gibt es nur noch aus Erzählungen vergangener Tage und sind auch schlichtweg ein Hohn in Anbetracht der verbrieften, aber trotzdem faulen AAA-Bonitäten dieser Tage. Der Untergang von Barings nach krassen Versäumnissen im Risiko-Management, der eher unfreiwillige Zusammenschluß von Lombard Odier mit Darier Hentsch, die Umwandlung von Julius Bär in eine Aktiengesellschaft und aktuell der Verkauf von Oppenheim and die Deutsche Bank sprechen ebenfalls eine deutliche Sprache: Finanzdynastien sind nicht von Dauer. Sie sind statistisch die Ausnahme, nicht die Regel.

Auch die drei Interviews mit Rothschild, Hauck und von Metzler helfen nicht viel, wenn hier die Absicht war, einen Bezug zur Gegenwart herzustellen. Alle drei Bankiers versuchen Modernität auf der Höhe der Zeit zu vermitteln, bleiben dabei aber in zu viel Diskretion stecken: also nichts Überraschendes, denn wußten wir das über Privatbanken nicht schon vor der Lektüre?

Fazit: Die Autoren haben sich eine sehr schwierige Aufgabe gestellt, die sicher auch für viele Historiker von Weltrang eine große Herausforderung darstellen würde und in seiner Komplexität an die große Frage heranreicht, wovon denn der Wohlstand der Nationen abzuleiten ist. Man hätte jedoch auch auf weniger anspruchsvollem Niveau etwas wirklich Spannendes oder Hübsches oder Lehrreiches daraus machen können. Ein Vorbild, wie man es wesentlich besser machen kann, stellt für diesen Rezensenten Bernd Ziesemers '"Pioniere der deutschen Wirtschaft: Was wir von den großen Unternehmerpersönlichkeiten lernen können"' dar.

Alles in allem bleibt das hübsch eingebundene Büchlein leider eine ungenutzte Gelegenheit.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 27. September 2009
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