Krieg der Welt: Was ging schief im 20. Jahrhundert?


 
Anregend geschriebene Geschichte des 20. Jahrhundert mit individueller Schwerpunktsetzung
• • • •   (bewertet mit 4 von 5 Punkten)

Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Krieg der Welt: Was ging schief im 20. Jahrhundert? (Gebundene Ausgabe) Zwar schreibt der Autor im Vorwort, dass er das 20. Jahrhundert eigentlich eng fassen will (~1905 bis Koreakrieg), führt seine Darstellung jedoch noch um einiges weiter an die Gegenwart heran, ohne jedoch die Revolutionen 1989ff. umfassend zu thematisieren. Schwerpunkt ist Außen- und Kriegspolitik.

In einem etwa 90-seitigen Einleitungsteil versucht der Autor - (eigentlich nur hier) anknüpfend an seinen Untertitel `Was ging schief im 20. Jahrhundert?` - der Frage nachzugehen, was die wesentlichen Determinanten des politischen Wandels in dieser Zeit waren. Allerdings scheint die Antwort weitgehend offen zu bleiben, eher weist der Autor einige verbreitete Thesen zurück, etwa die, dass die Weltwirtschaftskrise grundsätzlich autoritären System zum Durchbruch verholfen hätte. Diese wie auch andere Thesen belegt der Autor mit aussagekräftigem statistischem Material.

Der Hauptteil des Buches besteht in einer relativ konventionellen `Erzählung` (im positiven Sinne!) des Geschichtsverlaufes. Hierbei haben mich die ersten Kapitel eher weniger überzeugt. Die Ausführungen über die kaiserlichen Monarchien im imperialen Zeitalter sind recht oberflächlich. Bedauerlich fand ich, dass Fergusson, Buchautor zum Ersten Weltkrieg, diesen weitgehend ausgespart hat; auch eine Erörterung der Kriegsschuldfrage findet sich nicht.
Am intensivsten (und inhaltlich überzeugend) befasst sich der Autor mit der Politik des `Appeasement` gegenüber Hitler. Hier wird eine Vielzahl von Motiven / Strategien erläutert, das Konzept in seiner Gesamtheit findet hierbei eine vernichtende Kritik. - Ein weiterer Schwerpunkt stellt das Herrschaftssystem Stalins dar, mit besonderem Blick auf dessen verbrecherische Elemente (Deportationen, Hungersnöte, Arbeitslager).
Recht ausführlich wird auch der asiatische Raum thematisiert, der durch das imperiale Ausgreifen Japans insb. in den 30-er-Jahren geprägt war. Auch der Korea-Krieg, (etwas kürzer Vietnam), Kambodscha und die Entwicklung Chinas finden Berücksichtigung. Hingegen erscheint mir Afrika unterrepräsentiert.

Insgesamt stellt das Buch eine anregend geschriebene (wenngleich nicht ohne gewisse Längen, je nach Interessensschwerpunkt des Lesers) Gesamtdarstellung der politischen und militärischen Konflikte des 20. Jahrhunderts dar. Die Schwerpunktsetzung des Autors muss nicht immer überzeugen, aber das ergibt sich ja fast zwangsläufig, wenn ein so umfangreicher Zeitraum von einem Einzelgelehrten in Angriff genommen wird.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 30. Juli 2011
Kundenrezensionen:
3. Großartige Gesamtdarstellung
2. Anregend geschriebene Geschichte des 20. Jahrhundert mit individueller Schwerpunktsetzung (die aktuell angezeigte Rezension)
1. Reich an Details aber zwiespältig in den Aussagen
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