Schwarzes Amerika: Eine Geschichte der Sklaverei


 
gute Darstellung
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Die drei Autoren haben sich einer großen Aufgabe gestellt und präsentieren eine Darstellung der atlantischen Sklaverei - nicht mehr und nicht weniger als eine 500jährige Geschichte. Dabei geht es vor allem um die Bedeutung Afrikas und seiner Menschen für die Entwicklung des amerikanischen Doppelkontinents. Geht man von einer Größenordnung von etwa 10 Millionen Menschen aus, die zwischen 1492 und 1820 nach Amerika kamen, so waren ca. 80 Prozent davon Afrikaner (S. 9)!
Die Autoren wollen anhand von Einzelerkenntnissen und globalen Interpretationen einen Überblick über das sehr komplexe Thema bieten. Dabei konzentrieren sie sich auf drei Aspekte: die wirtschaftlichen Verbindungen (wobei sie konsequent eine transnationale Perspektive einnehmen); die Sklaven als Akteure ihrer Geschichte und die Auseinandersetzungen um die Unterdrückung des Sklavenhandels.
Interessant ist die zur Diskussion gestellte Bezeichnungsfrage: Afroamerikaner oder Schwarze. Dabei machen die Autoren deutlich, dass der Begriff "Schwarze", so negativ er auch belegt sein mag, seine Berechtigung hat und aufgrund seines "Bekanntheitsgrades" auch immer noch verwendet wird, ohne dass es jedes Mal negativ gemeint ist (S.16).
Zu Beginn des Buches wird die Entwicklung der Sklaverei dargestellt. Dabei machen die Autoren deutlich, dass es lange vor der hier besprochenen atlantischen Sklaverei gerade in Afrika genügend Beispiele für unfreie Arbeit gegeben hat. Der Rückgriff auf afrikanische Sklaven erfolgte aufgrund des Fehlens von europäischen Vertragsarbeitern (Servants), die anfangs die notwendigen Arbeiten erledigt hatten. Diese kamen so lange zum Einsatz, wie ihre Arbeitskraft billiger war als die von Afrikanern. Hinzu kam die Resistenz der Afrikaner gegen Krankheiten wie Malaria, eine Krankheit, die viele der europäischen Servants in der Karibik hinweggerafft hatte.
Noch vor der Eroberung Amerikas wurde auf den Kanaren und auf Madeira die Plantagenwirtschaft eingeführt. Der Zuckerrohranbau erforderte eine starke Konzentration von Land und von Arbeitskräften. Bald wurden die Plantagen auch in Amerika angelegt und es war vor allem der Zucker, der neben den Edelmetallen das wichtigste Produkt der Kolonien der Neuen Welt war. Die herausragende Bedeutung der Zuckerindustrie spielte eine große Rolle bei der Herausbildung der atlantischen Sklaverei.
Ausführlich besprechen die Autoren dann die Entwicklung der Sklaventransporte und diskutieren, ob es wirklich so hohe Verluste während des Schiffstransportes gegeben hat, wie bisher immer geschrieben worden ist. Den sachlichen Argumenten, die hier dargelegt werden und die zeigen, dass von vornherein versucht wurde, die Transportverluste möglichst gering zu halten, kann man sich nicht entziehen.
Deutlich machen die Autoren, dass Sklaven zwar in vielen Bereichen eingesetzt wurden, aber dass sie vor allem in der Plantagenwirtschaft für die Zuckerherstellung benutzt wurden. Die Verwendung auf anderen Plantagen (Kaffee, Baumwolle) oder in Bereichen wie Minen oder im Haushalt erlangte nie die wirtschaftliche Bedeutung wie auf den Zuckerrohrplantagen. Es bleibt festzustellen, dass Sklaven in erster Linie angeschafft wurden, um Gewinne zu erwirtschaften - dazu mussten Produkte für den Markt erzeugt werden. Das gelang am effektivsten in der Zuckerindustrie.
Ein besonders interessantes Kapitel behandelt die Kultur der Sklaven. Dabei machen die Autoren deutlich, dass die afrikanischen Sklaven eine eigene Kultur entwickelt haben. Zugleich verweisen sie aber darauf, dass auch eine Kultur der Sklaverei entstand: denn die Sklaven mussten sich nach der Ankunft in den Amerikas vollkommen neu einrichten, weil bisherige familiäre und soziale Bindungen abrupt zerstört worden waren. Der Aufbau neuer Familienbeziehungen stand dabei im Mittelpunkt. Die Familie prägte in besonderem Maße die Situation der afrikanischen Sklaven in den Amerikas.
Ein weiteres Kapitel widmet sich dem Widerstand der Sklaven. Behandelt werden der alltägliche Widerstand, die Flucht oder Aufstände. Eine besondere Rolle kommt dabei dem bedeutendsten Sklavenaufstand Amerikas zu: der Revolution in der französischen Kolonie Saint-Domingue, die bis dahin der bedeutendste Zucker- und Kaffeeproduzent der Welt war.
Daran knüpft das nächste Kapitel an, dass sich mit den Grundlagen der Sklavenbefreiung befasst. Dabei machen die Autoren deutlich, dass die Abschaffung der Sklaverei nicht automatisch die Ausbeutung, Diskriminierung und gesellschaftliche Ausgrenzung (S.161) der afrikastämmigen Bevölkerung beendete! Ausführlich wird auf die Abolitionsbewegung eingegangen. Die folgenden Kapitel über die Sklavenbefreiung und die Situation nach der Sklaverei machen deutlich, dass Sklaverei ein gewachsenes soziales Phänomen ist und nicht mit einem Verbot abrupt beendet werden kann.
Dass Sklaverei und ähnliche Abhängigkeitsverhältnisse auch heute noch existent sind, macht auch die Wichtigkeit des besprochenen Buches deutlich.
Man kann den Autoren bescheinigen, ein schwieriges Thema in einer exzellenten Darstellung einem breiten Leserkreis zu präsentieren. Der Leser findet nicht nur Erläuterungen, sondern auch genügend Stoff für weitergehende Diskussionen, denn nicht alle Fragen konnten die Autoren lösen. Eine Fülle an Materialien wird hier gut lesbar und verständlich einem breiten Publikum präsentiert. Nach der Lektüre des Buches wird der Leser viele Zusammenhänge der wirtschaftlichen Entwicklung in den amerikanischen Kolonien bzw. in den heutigen USA besser verstehen.



Eine Rezension von Mario Koch Rogeez
vom 1. März 2010
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